Backgammon – zurück ins Spiel

Von allen Spielen, die die Menschheit seit Jahrtausenden ihrer Geschichte begleiten, sind Brettspiele wohl die erfolgreichsten und langlebigsten. Auch wenn heute jedes Jahr dutzende neuer Spiele auf den Markt gebracht werden, die einander an Kreativität, Komplexität und versprochenem Unterhaltungswert immer auf ein Neues zu übertrumpfen versuchen, sind letztlich die zumindest augenscheinlich simplen, zum Teil Jahrhunderte alten Spiele unbesiegbar in der Gunst der Spieler weltweit. Backgammon ist eines der ältesten bekannten Spiele und noch heute unverändert beliebt. Egal ob als reines Freizeitvergnügen unter Freunden, als Turnierspiel um den Weltmeistertitel oder als lukrative Einnahmequelle für professionelle Spieler, Backgammon bietet, wie kaum ein anderes Spiel, eine attraktive Mischung aus Würfelglück und Können.

Backgammon Set

Backgammon

Geschichte des Backgammon

Die ältesten Funde, die auf die Existenz von Brettspielen hindeuten, sind mehr als 5.000 Jahre als und stammen aus dem Orient. Die ersten Würfelbrettspiele Europas werden bereits dem antiken Griechenland im 12. vorchristlichen Jahrhundert zugeschrieben. Auch wenn es in den Grundzügen hier bereits Parallelen zum heute noch bekannten Erscheinungsbild und den Backgammon-Regeln geben mag, wäre es übertrieben, hier bereits von Urformen des Backgammon zu sprechen. Einen konkrete Vorläufer des heute geläufigen Spiels erkennt die Geschichtswissenschaft vielmehr im römischen Duodecim Scripta aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Hier sind in Grundzügen der Aufbau und die Regeln des späteren Backgammon zu erahnen. Im Frankreich des Mittelalters findet sich ein Weiterentwicklungen unter dem Namen Tric Trac und im Deutschen als Wurfzabel, welches sich kaum mehr vom heutigen Backgammon unterscheidet. Im 17. Jahrhundert findet erstmals der Name Backgammon Verwendung. Die Backgammon-Regeln werden 1743 vom Spieleexperten Edmond Hoyle erstmals verbindlich niedergeschrieben. Die noch heute gültigen Backgammon-Regeln stammen aus dem 20. Jahrhundert und wurden in dieser Zeit geringfügig verändert, um Regeln ergänzt und letztlich vereinheitlicht. Seit dieser Zeit erfährt Backgammon immer wieder Zeiten geringer Beachtung aber auch und vor allem wiederkehrende Boom-Phasen, in denen seine Popularität immer neue Anhänger gewinnt.

Das Backgammon Spielbrett

Beim klassischen Backgammon-Spielbrett (Board) sind vor jedem der einander gegenüber sitzenden Spieler je 12 Dreiecke, Points oder Zungen genannt, aufgezeichnet, auf die Spielsteine in zwei Farben verteilt werden. Je sechs der 12 Dreiecke werden durch die Mitte des Spielbrettes, die Bar, voneinander getrennt und bilden so, für jeden Spieler, das Home- und das Outerboard. Die 15 meist weißen und 15 meist schwarze Spielsteine werden nach vorgegebenen Regeln auf die 12 Points verteilt. In jeweiliger Spielrichtung gezählt, liegen auf dem ersten Point je zwei, auf dem 12. Point je fünf, auf dem 17. je drei und auf dem 19. Point ebenfalls je fünf Spielsteine. Gespielt wird mit zwei sechsseitigen Würfeln und dem sogenannten Dopplerwürfel, der besonders für Turnierspiele von Bedeutung ist. Wie bei den meisten Brettspielen variiert die Machart des Spielbrettes wie auch der Spielsteine und Würfel zwischen einfacher Industrieware und kostspieligsten Kunsthandwerksstücken.

Ziel und Regeln von Backgammon

Ziel des Spieles ist es, all seine Spielsteine über das Homeboard, also das in eigener Spielrichtung letzte Viertel des Spielfeldes, aus dem Spiel herauszuwürfeln (Bear off). Der Spieler gewinnt, dem dies als erstem vollständig gelingt. Die Aufgabe besteht dabei nicht nur darin, die eigenen Steine hinaus zu bewegen, sondern auch darin, dies dem Gegenspieler möglichst zu erschweren.

Der Spielbeginn wird mit je einem Würfel ausgewürfelt. Der Spieler mit der höchsten Augenzahl beginnt und darf als erste Zugfolge die beim Auswürfeln erzielten Augen setzen.

In jeder Rund wird nacheinander gewürfelt. Die einzelnen Augen des Wurfes dürfen frei gesetzt werden. Das heißt, beide Augen können entweder mit einem oder mit zwei unterschiedlichen Steinen der eigenen Farbe gesetzt werden. Die Reihenfolge des Setzens der einzelnen Würfelaugen ist dem Spieler überlassen. Ist das Setzen beider Augen nicht möglich, muss das höhere zuerst gesetzt werden. Kann der komplette Wurf nicht gesetzt werden, verfällt dieser. Ein zu bewegender Spielstein darf nur auf ein Feld gesetzt werden, auf dem bereits maximal ein gegnerischer Stein liegt; dies gilt auch, falls der gleiche Stein mit dem zweiten Würfelauge weiterbewegt werden soll. Die Steine werden so vom gegenerischen Homeboard, ins eigene Homeboard bewegt. Trifft ein Stein auf einen einzeln stehenden Stein (Blot) des Gegners, wird dieser geschlagen, das heißt, aus dem Spiel genommen und auf die Bar platziert. Ist der Gegner an der Reihe, muss dieser erst alle geschlagenen Steine zurück ins Spiel bringen, indem er diese an gewürfelte Positionen in sein Startviertel setzt, soweit diese nicht mit mehr als einem gegnerischen Spielstein besetzt ist. Erst wenn kein Stein mehr auf der Bar liegt, dürfen im Spiel befindliche Steine gezogen werden. Ein Pasch zählt doppelt.

Ist es gelungen, alle eigenen Steine in das Homeboard zu bewegen, beginnt das sogenannte Auswürfeln. Hierbei werden die Steine über den letzten Point hinaus gezogen. Dies muss nicht passend geschehen, alle Augen müssen jedoch auch innerhalb des Homeboards gespielt werden, soweit dies möglich ist. Einzelne Augen müssen vollständig gespielt und dürfen nicht gesplittet werden.

Die Backgammon-Regeln bestimmen zudem die Wertung einzelner Spiele nach Spielfortschritt des Unterlegenen bei Spielende:

Als Single Game bezeichnet man ein Spiel, bei dem der Unterlegene selber bereits mindestens einen Stein hinausgewürfelt hat.

Ein Gammon liegt vor, wenn vom Unterlegenen noch kein eigener Stein herausgewürfelt wurde. Ein Gammon wird doppelt bewertet.

Dreifach gewertet wird ein Backgammon, bei dem der Unterlegene keinen Stein herausgewürfelt hat und noch mindestens ein Stein im Startfeld, also dem Homeboard des Gewinners steht.

Eine Erweiterung der Backgammon-Regeln, die meist in Turnieren Gebrauch findet, ist der Dopplerwürfel (Cube). Der sechsseitige Würfel ist mit den Zahlen 2, 4, 8, 16, 32 und 64 bedruckt. Wenn ein Spieler vor seinem nächsten Wurf zur Ansicht gelangt, er würde das gesamte Spiel gewinnen, kann er dem Gegener den Dopplerwürfel anbieten. Lehnt dieser ab (Pass), verliert er das Spiel, nimmt er an (Take), wird der Würfel mit der 2 nach oben vor ihn gelegt und damit das Ergebnis bei Spielende verdoppelt. Der so herausgeforderte Spieler kann als nächster, wenn wiederum er meint, das Spiel gewinnen zu können, nach selbem Prinzip dem Gegner seinerseits das Doppeln anbieten, womit sich das Ergebnis vervierfachen würde. Nach den Backgammon-Regeln ist dieses Spielprinzip nicht auf eine 64fachung des Ergenisses begrenzt, in der Spielpraxis kommt dies jedoch ausgesprochen selten vor.

Neben diesen klassischen Backgammon-Regeln gibt es noch zahlreiche Sonderformen mit jeweils zumindest geringfügig abweichenden oder erweiterten Regeln, die hier nur kurz genannt sein sollen:

Match play, als Regelwerk für das Turnierspiel nach K.o.-System.

Crawford-Regel, die eine Einschränkung des Doppelns unter bestimmten Voraussetzungen des Turnierspiels festlegt.

Jacoby-Regel, die eine Wertung nach Gammon oder Backgammon an ein vorausgegangenes Doppeln knüpft.

Beaver, die es dem herausgeforderten Spieler ermöglicht, beim Angebot des Dopplerwürfels, eine Dopplerstufe zu überspringen.

Automatisches Doppeln, bei dem ein Spiel doppelt bewertet wird, wenn beide Spieler beim Auswürfeln des Spielbeginns die gleiche Augenzahl würfeln.

California Rule, nach der ein Spieler auf die Spieleröffnung verzichten kann, wofür der Dopplerwürfel eine Stufe höher gedreht wird.

Chouette, eine Spielvariante für insgesamt drei oder mehr Spieler, bei der ein einzelner Spieler (Box) gegen eine Gruppe spielt.

Die Zukunft des Backgammon

Trotz seines Alters ist Backgammon ein weiterhin beliebtes Spiel. Aufgrund seiner Komplexität und dem hohen Maß an Strategie, das gerade im professionellen Spiel zum Tragen kommt, hat es lange gedauert, bis es adäquat mit den modernen Mitteln der Computertechnologie vereint werden konnte. Erst die späten 1980er brachten erste Computervarianten mit professionellem Anspruch. Inzwischen kann man Backgammon auch als Online-Spiel betreiben. Als konservatives Brettspiel wird es jedoch sicher weiter seine Existenzberechtigung bewahren.

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